Wahlkampf mit Pokemon Go & Co.? – Interview mit Wahlbeobachter Martin Fuchs

Wenn ihr unserem Twitteraccount @wahlweisheiten folgt, werdet ihr auch schon mit den Tweets von Martin Fuchs in Berührung gekommen sein. Martin twittert unter dem Namen @wahl_beobachter seine Impressionen & Analysen aus Politik und Social Media. Wir haben uns zum Interview mit ihm auf Twitter verabredet.

 

wahlbeobachter2

Hallo Martin, startklar?

Moin Moin Marie, startklar 😉

Spitze. Zuerst würden wir gern wissen: Wann hast du begonnen, dich für Politik zu interessieren bzw. dich damit auseinander zu setzen?

Das hat glaube ich schon sehr früh begonnen, so mit 13, 14 …in der Schule war ich über Jahre hinweg Schülersprecher und habe dann mit 15 erste große Studentendemos mitorganisiert. Das hat mich geflasht.

Hast du dich auch in einer Jugendorganisation einer Partei engagiert?

Für ganz kurze Zeit, so mit 18 habe ich einen linken Jugendverband mitgegründet… seitdem ruht aber mein parteipolitisches Engagement 😉

Worin genau besteht denn jetzt deine Aufgabe / Arbeit als Wahlbeobachter?

Das Wahlbeobachter-Blog habe ich Anfang 2011 gestartet. Ich war damals neu in Hamburg und es gab nach dem Bruch der schwarz-grünen Regierung auf einmal Neuwahlen. Und ich wahr etwas überfordert, weil ich nicht wusste, wen ich wählen soll. Also habe ich alle Zeitungen gelesen, alle TV-Sendungen zu Wahl verschlungen usw…

… fühlte mich aber danach immer noch so uninformiert wie vorher 😉 Deshalb habe ich angefangen, selber zu recherchieren & mir den Wahlkampf genauer anzuschauen. Da war dann sehr erfolgreich. Viele Hamburger Medien haben meine Geschichten aufgegriffen.

Nach der Wahl wollte ich dieses zeitintensive Hobby dann wieder beenden, habe aber Lust daran gefunden….und hab das Blog weitergeführt. Seit 2011 liegt der Fokus aber weniger auf Wahlen als auf politischer Online-Kommunikation. Von Parteien. Von Parlamenten. Von Politikern und von Regierungen. Es ist und bleibt ein Hobby… auch wenn viele Leute denken, dass das Blog mein Job wäre 😉 Schön wärs.

Und jetzt recherchierst du nicht nur für Hamburg sondern bundesweit?

Genau ich recherchiere bundes- und europaweit. Hamburg ist mir auch schnell zu klein geworden. Und klar, wenn ein Wahlkampf ansteht, dann beobachte ich denn sehr intensiv, egal wo er in Deutschland stattfindet – auch vor Ort.

Welche Beobachtungen konntest du bisher zum Wahlkampf zur #ltwmv machen?

Der Wahlkampf zur #ltwmv steckt noch in der ersten Phase, es ist gerade Urlaubszeit, viele Bürger sind also gar nicht da und ansprechbar. Von daher sind die Aktivitäten der Parteien & Kandidaten noch sehr überschaubar. Ein paar Facebookpostings, ein paar Plakate und ein paar erste Besuche bei Vereinen im Wahlkreis. Richtig spannend wird es erst so 2 Wochen vor dem Wahlsonntag… und richtig heiß 2-3 Tage vor der Wahl 😉

Apropos Facebook: Wie wichtig ist oder wird Social Media für die Politik?

Ich glaube, das ist schon sehr wichtig 😉

Nur leider haben viele Parteien & Kandidaten das Potential noch nicht erkannt. In MV gibt es ca. 750.000 aktive Facebook-Nutzer, die sich auch politisch dort informieren. Besser und zielgerichteter kann man Wähler nicht erreichen. Es sind immense Reichweiten möglich & gerade politikferne Menschen sind so ansprechbar.

Zudem bietet Social Media großartige kostengünstige Möglichkeiten, um in die Bevölkerung reinzuhören und zu erfahren, wo der Schuh drückt und was die Leute im Wahlkreis interessiert.

Ein Politiker hat uns berichtet, dass ihm gesagt wurde, er solle sich bei Instagram anmelden, weil da die Erstwählerinnen und Erstwähler wären. Liegt die Zukunft des Wahlkampfs bei Social Media Apps wie Instagram, Snapchat oder Tinder?

In Deutschland gibt es ca. 150 aktiv genutzte Social-Media-Netzwerke, welches das „beste“ für einen Politiker ist hängt 100% von seiner Strategie ab. Möchte ich aktuell in 2016 junge Wähler erreichen dann sollte ich in der Tat bei Musical.ly & Snapchat sein, ggf. auch bei PokemonGo. Aber das ist eine sehr sehr kleine Zielgruppe, auch in MV.

Entscheidend ist zudem, ob ich Lust auf das Netzwerk habe. Viele Politiker sind angemeldet, aber man merkt der Kommunikation an, dass ihn jemand den Account empfohlen hat – das ist oft sehr sehr bitter, blutleer und zum abschalten was man da dann sieht. Also auch das eigene Interesse, die eigene Lust an einem bestimmten Netzwerk sollte da sein, sonst scheitert jede Kommunikation.

Ich denke, dass gerade junge Menschen, die täglich im jeweiligen Netzwerk unterwegs sind, bemerken, wenn ein Profil nur als Mittel zum Zweck genutzt wird und das „mit-dem-Trend-Gehen“ sehr aufgesetzt wirkt.

Auf jeden Fall… Und deshalb sehe ich auch die wesentlich größeren Potentiale von Social Media außerhalb des Wahlkampfes. Also zwischen den Wahlen. Dort sollte man sich als Politiker um die Bürger digital bemühen, um eine Community zu schaffen, die man dann im Wahlkampf mobilisieren kann.

Wobei es Beispiele gibt, dass Kandidaten nur mit Social Media Wahlen gewonnen haben, wie z.B. der jüngste Bürgermeister Deutschlands Marian Schreier. [Link: Social Media im Bürgermeisterwahlkampf auf http://www.hamburger-wahlbeobachter.de]

Ich finde, das ist ein schönes Schlusswort und ein Blick in die Zukunft! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. 🙂

Das wars schon? 😉 Hat ja gar nicht wehgetan…. und ging schneller als gedacht 😉 Euch weiterhin ein spannende Wahlbeobachtung bei der #ltwmv wünscht der Hamburger Kollege 😉

 

Martin Fuchs / Hamburger Wahlbeobachter im Internet:
http://martin-fuchs.org/
http://www.hamburger-wahlbeobachter.de/
https://www.facebook.com/HamburgerWahlbeobachter
https://twitter.com/wahl_beobachter

 

Interview: Marie-Luise Kutzer
(ist auch im Internet: https://twitter.com/stullemitbro)

2 Replies to “Wahlkampf mit Pokemon Go & Co.? – Interview mit Wahlbeobachter Martin Fuchs”

  1. […] und zu den Perspektiven für Jugendliche im Land beantwortet haben. 31 Minuten dauerte das Interview, das wir mit @wahl_beobachter Martin Fuchs auf Twitter geführt haben. Er hat uns über seine […]

Schreibe einen Kommentar