„Eigentlich war es nicht geplant, dass ich gleich in den Landtag komme“ – Interview mit Marc Reinhardt (CDU)

„Ich glaube, dass viele 16-Jährige damit vielleicht überfordert wären.“ – CDU-Fraktionsmitglied Marc Reinhardt erläutert Lucas im wahlweise-Interview, warum er sich gegen eine Herabsetzung des Wahlalters ausspricht und warum Kinderlärm Zukunftsmusik für MV sein sollte.

Unsere erste Frage: Wie sind Sie in die CDU und überhaupt in die Politik gekommen?
Das ist 1998 bei mir passiert. Ich war bis dahin noch Mitglied in der Jungen Gemeinde meiner Heimatstadt Gnoien. Da hat sich das so entwickelt, dass man dann auch durch die Kirche zur Kommunalpolitik kam und dann auch Leute von der CDU kennengelernt hat. Das lag irgendwie nahe. Dann habe ich in der Jungen Union angefangen, der Jugendorganisation der CDU.
Junge Leute waren damals selten in der Politik, das ist ja auch heute noch fast so und so war man sehr schnell im Kreisvorstand oder in irgendeinem Ausschuss. Ich war politisch eigentlich schon immer interessiert, jedoch war es eigentlich nicht geplant, dass ich gleich in den Landtag komme.

Sie sind Vorsitzender im Bildungsausschuss. Welche Schwerpunkte legen Sie sich da?
Die Legislaturperiode ist ja nun so gut wie zu Ende. Einer unser Schwerpunkte war das Lehrerbildungsgesetz. Ihr werdet an euren Schulen feststellen, dass es ziemlich wenig junge Lehrer gibt. Die meisten Lehrer sind älter, der Altersdurchschnitt an den Schulen liegt um die 52 Jahre. Mit dem Gesetz wollen wir die Lehrerausbildung in MV attraktiver machen: Mit finanziellen Anreizen, damit sie hier erst mal Lehramt studieren und dann auch bei uns an den Schulen bleiben. Besonders an den Grund- und Regionalschulen werden wir in den nächsten Jahren sehr viele Lehrer haben, die aufhören und die Rente erreichen. Da ist ein unheimlicher Bedarf, den wir aus heutiger Sicht nicht wirklich decken können.

Was sehen Sie denn als Lernmethode der Zukunft? Zurzeit ist es ja so eine Mischung aus Frontalunterricht und praktischem Unterricht.
Ich bin ja selbst kein Lehrer. Als ich zur Schule gegangen bin, hatte ich noch durchgehend oder ziemlich viel Frontalunterricht. Heute werden mehr Praktika eingebaut, die Schüler arbeiten selbstverantwortlich in Arbeitsgruppen, es gibt viele Projekte. Jede Schule muss da für sich die richtige Form finden, die auch zu ihren Schülern und ihren Lehrern passt. Die Schule verändert sich jeden Tag ständig – das wird auch so bleiben und so werden sich auch die Lehrmethoden verändern. Ich denke, dass viel mehr darauf angeregt werden wird, dass die Schüler selbständig das Lernen lernen, weil wir ein Leben lang lernen.

Jetzt zu einem anderen Thema: Bei den Kommunalwahlen kann man schon ab 16 wählen. Wie stehen Sie zur Herabsetzung des Wahlalters auch bei Landtagswahlen?
Ich halte es bei Kommunalwahlen für richtig. Da ist es immer vor Ort, da kennen auch die 16-Jährigen ihren Bürgermeister oder Gemeindevertreter schon. Die Wahlbeteiligung hat aber auch gezeigt, dass das nur sehr wenig 16-Jährige interessiert. Sie sind noch gar nicht in der Lage, selbst einzuschätzen was eigentlich auf landes- und bundespolitischer Ebene passiert. Eine Herabsetzung auf 16 Jahre halte ich für zu verfrüht und es würde eher dazu führen, dass die Wahlbeteiligung sinkt. Ich glaube, dass viele 16-Jährige damit vielleicht überfordert wären. Mitunter kommt das ja auch erst etwas später in der Schule.

Ein Zitat aus dem Wahlprogramm lautet: „Alle Kinder sollen spüren, dass sie willkommen sind. Wir wollen die Entscheidung für ein Kind leicht machen. Eltern, die Angst vor der Zukunft haben, wollen wir helfen.“ Unsere Frage ist: Wie wollen sie dies erreichen?
Also da gib es ja unterschiedliche Maßnahmen, eine Rolle spielt dabei natürlich auch Geld. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass gerade die Krippenplätze deutlich günstiger werden. Ich persönlich – das steht jetzt aber nicht im Wahlprogramm der CDU – plädiere auch dafür, dass es so etwas wie ein „Landesbegrüßungsgeld“ gibt. In einigen Städten und Gemeinden wird bereits ein Begrüßungsgeld gezahlt, in anderen nicht. Einige können es sich leisten und andere nicht. Das halte ich für falsch. In der Jungen Union haben wir dafür plädiert, dass es dann ein Landesbegrüßungsgeld in Höhe von 500 Euro gibt, welches zur Geburt des Kindes ausgezahlt wird.
Dann gibt‘s noch andere Maßnahmen. Wir haben jetzt zum Beispiel das Bildungs- und Teilhabepacket für sozial schwache Familien auf den Weg gebracht.
Außerdem gab es eine schöne Gesetzesinitiative hier im Landtag: „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“ Es gab ja Gerichtsurteile, bei denen Leute geklagt haben, weil Kinder zu laut waren und auch Recht bekommen haben. So etwas halte ich für verfehlt. Denn gerade für MV ist es ein Segen, wenn wir überhaupt noch Kinder haben. Wenn es bei dieser demografischen Entwicklung bleibt, kann man leicht nachrechnen, dass Mecklenburg-Vorpommern in hundert Jahren fast ausgestorben ist.

Marc Reinhardt, Jahrgang 1978, ist bildungspolitischer Sprecher der Christdemokraten im Schweriner Landtag und seit 2008 Vorsitzender der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern. Er lebt in Neukalen im Landkreis Demmin – sein Wahlkreis, für den seit 2006 im Landtag sitzt.

Ein Kommentar bei „„Eigentlich war es nicht geplant, dass ich gleich in den Landtag komme“ – Interview mit Marc Reinhardt (CDU)“

  1. das die cdu sich gegen die herabsetzung des wahlalters auf 16 ausspricht, ist ja kein geheimnis, jedoch finde ich es immer wieder erschreckend wie sie diese einstellung begründen! Ich fühle mich sehr wohl in der lage, einzuschätzen welche partei meine und die interessen der gesellschaft auch auf landes-u. bundesebene am besten vertritt.
    gerade jugendliche müssen ihre interessen auch bei wahlen vertreten dürfen, da sie sonst leicht zu benachteiligten werden. wir brauchen ein gegengewicht zu der großen anzahl älterer menschen, die oftmals andere ansprüche an politik haben.
    ich glaube nicht dass nur jugendliche mit der entscheidung für eine partei überfordert sind! gerade die union ist ja ein paradebeispiel wie schnell sich die ansichten von politikern je nach stimmung im volk ändern können (siehe atomausstieg).
    die cdu ist für junge menschen einfach nicht attraktiv, genau aus diesem grund haben sie angst auch 16-jährige wählen zu lassen!

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